Festivalbericht: Tauron Nowa Muzyka – Tag 2

Kommen wir also zu Tag 2 des Tauron Nowa Muzyka in Katowice. Kann Tag 2 mit Tag 1 mithalten? Sind noch größere Enttäuschungen zu erwarten als xxyyxx, oder wird das alles wieder wettgemacht? Kommt Julia wieder mit Sebastian zusammen? Das und mehr erfahrt ihr.. jetzt.
1. Eskmo (US)
Auf jedem Festival gibt es einen Künstler oder eine Band die einen so perfekten Auftritt abliefern dass man eine Woche später noch Gänsehaut beim Gedanken daran hat. Auf dem Tauron war das ganz klar Eskmo. Obwohl das Set erst relativ normal anfing setzte er sich ganz schnell von den anderen Künstlern durch seine spontane Kreativität ab. Egal ob Papier, trockene Äste, Holzstühle, Metallstangen oder Bierkästen – alles wurde live aufgenommen und in das Set eingebaut (sogar das Öffnen einer Dose Red Bull war dabei!). Nach viel zu kurzen 60 Minuten war das Set vorbei, aber er hat die Veranstalter darum gebeten (!) eine Zugabe spielen zu dürfen. Wow. Außerdem war das der einzige Künstler der beide Tage als Hörer auf dem Festival unterwegs war, mit Fans geredet hat und zu Fotos bereit war. So etwas vergisst man einfach nicht.
2. Madlib feat. Freddie Gibbs (US)
Die Vertreter des Old School Hip Hop auf dem Tauron waren ganz klar Madlib und Freddie Gibbs, auch wenn ihr Auftritt nicht so gut ablief wie er vielleicht sollte – die erste halbe Stunde verbrachte Madlib alleine auf der Bühne und kam mehr als nur gelangweilt rüber als er mehr oder weniger mit seinem Set herumgespielt hat. Doch nach 30 Minuten kam Freddie Gibbs auf die Bühne und brachte Fahrt ins Publikum (auch wenn sein ‘Fuck the Police‘-Gegröhle nach dem 50. Mal ein wenig langweilig wurde). Trotzdem einer der gelungeneren Auftritte des Abends.
3. Mouse on Mars (DE)
Mouse on Mars habe ich fast gar nicht mitbekommen, und das nicht weil ich nicht dort war. Ihr Auftritt war einfach ein perfektes Beispiel dafür wie eine schlechte Abmischung der Bühne dazu führen kann dass die Bässe alle anderen Klänge fressen bis man sich dazu entscheidet lieber auf ein Bier zu gehen anstatt sich das anzutun. Und dabei war ich nicht alleine; der Platz wurde um ein Viertel leerer noch bevor das erste Lied zu Ende war. Und auch wenn das nicht die Schuld der Band ist.. angenehm war es nicht.
4. Ghostpoet (UK)
Zum Glück erwartete mich sofort danach Ghostpoet aus England. Schwere, langsame Beats schafften die Grundlage für das von Gesang durchwobende gerappe Ejimiwe’s. Aber wofür ich ihn am meisten in Erinnerung behalten werde ist die Interaktion mit dem Publikum: anstatt Klischees abzuhaken hat er wirklich versucht mit uns zu sprechen und auf uns einzugehen, und so etwas springt beim Publikum immer an, wieso er auch – mit vollem Recht – unglaublich abgefeiert wurde.
5. Four Tet & Caribou DJ-Set (UK/CAN)
Zu meinem absoluten Pech kam das Schlechteste zum Schluss. Ich bin zwar ein großer Fan von sowohl Caribou als auch Four Tet, aber das was die beiden da abgeliefert haben ist fast unbeschreiblich. Das war kein DJ-Set, das waren zwei Männer die gleichzeitig aber nicht gemeinsam aufgelegt haben; nichts passte zueinander, weder Tonlagen noch der generelle Sound, was zu einer konfusen Atmosphäre voller Unglaubwürdigkeit führte. Sind das wirklich Caribou und Four Tet? Dass sie mehr für sich als für uns gespielt haben hat man auch mehr als gemerkt. Die Ironie des ganzen ist ein Zitat von Caribou selbst während eines Interviews letztens auf Pitchfork:
Set against the backdrop of bland and functional dance music and the mind-numbing predictability of the EDM barfsplosion currently gripping the corporate ravesters, there is a small world where dance music lives up to its potential to liberate, surprise, and innovate.
Tauron Nowa Muzyka. Zwei Tage, massenhaft Künstler, sowohl Enttäuschungen als auch freudige Überraschungen. Bier, Red Bull und Vodka im Wald. Ich warte schon gespannt auf die Ankündigung der 8. Edition des Tauron Nowa Muzyka 2013. Denn unterm Strich, mit allen Abrechnungen.. ich würde es genau so noch mal machen.



Di, 04. September 2012, 14:31 Uhr
Und was ist jetzt mit Julia und Sebastian? ;)
Schöner Bericht. Es ist schon erstaunlich, wie oft vorher unbekannte Künstler für die positivsten Überraschungen eines Wochenendes sorgen können. Ich sehe da nur einen Fehler: Du hast dir Clark nicht angesehen!