Plattentest: Oberhofer – Time Capsules II

Paul

Hach, sie werden ja so schnell erwachsen. Kaum hört man ihre ersten Demos im Internet, schon haben sie ihr eigenes Album. Und was für ein Album. Ich glaube, ich war noch nie so ungeduldig auf das Release eines Debüts wie auf das von Oberhofer.

Als ich Oberhofer 2010 zum ersten Mal auf einem Mixtape gehört habe war ich sofort von den klimpernden Gitarren und verspielten Melodien angetan. Nach und nach tauchten weitere Demos auf und machten mich auf ein Album oder wenigstens eine EP gespannt. Aber nach zwei 7″ war erstmal Funkstille. Jetzt, zwei Jahre später, ist es endlich soweit; nach endlosen Lobpreisungen seitens der Musikblogosphäre treten Oberhofer ins Scheinwerferlicht. Doch zwei Jahre sind eine lange Zeit, und die Erwartungen sind ziemlich hoch. Vielleicht zu hoch?

Vorweg sei angemerkt: bei Time Capsules II steht ganz klar Spaß im Vordergrund. Pop existiert hier in seiner Essenz; unglaublich leichte Melodien, die sich um eine Ohrwurmposition streiten und die immense fröhliche Atmosphäre machen das Album zu einem wahren Feuerwerk. Gleich der Opener »HEART« gibt die Richtung für den Rest des Albums an: ein klimperndes Klavier und tanzende Xylophonmelodien treffen auf warme Gitarrenakkorde und einen treibenden Schlagzeugbeat. Doch was Oberhofer so wirklich draufhaben, zeigen sie mit »Landline« und »Away Frm U«: ich wurde fast schon von der positiven Energie der Songs erschlagen und die Melodien wollten mir tagelang nicht aus dem Kopf.

Doch nicht alles ist purer Sonnenschein auf Time Capsules II; »Yr Face« und vor allem »oOoO« sind voll von zuckersüßer Melancholie, so dass es fast schon weh tut. Dabei beschwören Oberhofer Bilder von Liebe und Hoffnungslosigkeit, die bei allem Kitsch glaubwürdig rüberkommen. Außerdem haben Oberhofer es mit »oOoO« geschafft, dass ich zum ersten Mal wochenlang einen Refrain gesungen habe, der noch nicht mal aus Worten besteht.

Bei all dem leichten Pop mit seinen Ooohs und Aaahs bleibt leider der Text ein wenig auf der Strecke, und auch wenn die Band stellenweise meisterliche Metaphern iwe ‘beer cans growing blades of grass‘ aufstellen, gibt es Momente, die vor Kitsch nur so strotzen. Aber wenn das der Preis für ein Album mit so viel Herz ist, komme ich damit mehr als nur klar. In den zwei Jahren sind Oberhofer einen weiten Weg gekommen und man merkt der Band auf der Platte an, wie viel Potential in ihnen steckt. Time Capsules II ist zwar kein Meisterwerk, aber ich habe keine Zweifel, dass Oberhofer noch eines abliefern werden.

Time Capsules II ist seit Montag auf Glassnote Records erhältlich und zumindest für mich jeden Cent wert.

Falls mich jemand braucht, ich bin tanzen.

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